About

Sehen wir der Wahrheit ins Auge: Kool Savas, heute dreiundvierzig Jahre alt, hat so circa alles erreicht, was man als Rapper in Deutschland erreichen kann. Nicht einmal die etlichen goldenen Platten und Pokale, die sich im Laufe der letzten zwei Dekaden in seinem Wandschrank angestaut haben, werden seiner Bedeutung für das Rap-Geschehen im deutschsprachigen Raum auch nur annähernd gerecht. SAV kann guten Gewissens behaupten, ein etabliertes Subgenre eigenständig aus dem Boden gestampft zu haben, das bis zum jetzigen Zeitpunkt jedem noch so gewaltigen Hype standgehalten hat. Er hat radikal-ehrlichen Battlerap auf ein neues technisches Level gehievt und erst dadurch überhaupt gesellschaftsfähig gemacht. Sein vielfach geglücktes Kunststück, aggressiven Sprechgesang an mit dem Mainstream vereinbare Ohrwurm-Hooks zu koppeln, dient bis heute als Inspiration für eine ganze Generation verschiedenster Künstler und Künstlerinnen. Ohne kalkulierte Skandale herbeizuführen, hat Savas zu keinem Zeitpunkt seiner Karriere an Relevanz eingebüßt, hat über die Jahre mit so ziemlich allen großen Vertretern seiner Gattung zusammengearbeitet und gilt bis heute, ganz nebenbei, als stärkster Live-MC unseres Landes. Muss er euch »wirklich noch was’ beweisen«?

Die Geschichte vom charismatischen Deutsch-Türken, der im Kreuzberg der späten Neunzigerjahre zu Rappen beginnt, ist dutzendfach en dé­tail erzählt. Legendär sind seine Performances im Royal Bunker, der Wiege der Westberliner Battlerap-Kultur, die SAV schon damals mit herausstechenden Flows und präzedenzlosen Punchlines dominiert. Unvergessen sind die Erdbeben, mit denen die ersten Releases in den Crew-Konstellationen »Westberlin Maskulin« und »MOR« den Untergrund der Hauptstadt zur Jahrtausendwende erschüttern. Frühe Solotracks der Marke »LMS« oder »Pimplegionär« stellen das Genre durch ihren scharfsinnig-provokante Attitüde nachhaltig auf den Kopf. Gleichzeitig liefern sie den Steilpass in die daran anschließende Ära »Optik Records«, die Essah 2002 mit der Veröffentlichung seiner ersten Solo-LP »Der beste Tag meines Lebens« federführend einleitet. Durch die Verschmelzung von ernsten Thementracks mit roughen Battlepassagen gelingt ihm ein stilprägender Meilenstein und gleichzeitig der Sprung in die Garde der kommerziell erfolgreichsten Künstler der Bundesrepublik.

Das epochale »Urteil« gegen seinen ehemaligen Wegbegleiter Eko Fresh gilt, in den Folgejahren unzählbare Male plagiiert, als Urvater eines lupenreinen Disstracks. Nachdem Savas mit der »John Bello Story« das bis heute erfolgreichste deutschsprachige Mixtape aller Zeiten vom Stapel lässt, stellt er seinen Status als Oberhaupt der Rap-Szene mit seinem zweiten Soloalbum »Tod oder lebendig« 2007 ein weiteres Mal energisch unter »Beweis«. In den Folgejahren rotieren Teil zwei und drei der »John Bello Story« im Abendprogramm von MTV und ebnen den Weg zu einem wahrhaftigen All-Time-Classic: Die erste Nummer-Eins-Platte »Aura« erscheint. Auf eine kurze Verschnaufpause folgt, etwa sieben Jahre nach der letzten großen Kollabo »One« mit dem Frankfurter Szene-Legionär Azad, ein schillerndes Gemeinschaftsprojekt mit Xavier Naidoo. »Gespaltene Persönlichkeit« entert mühelos die Spitze der Charts, erreicht in Windeseile Platin-Status und belegt Essahs inzwischen weit über die Grenzen seines Genres hinausgehenden Legendenstatus.

2014 zollt Savas dem harten Rap der Anfangsjahre mit dem Release seines vierten Soloalbums »Märtyrer« nachdrücklich Tribut. Das Mixtape »Essahdamus« geht dann einem anschließenden Jahrhundertprojekt voraus: Im Rahmen des Splash!-Festivals 2017 wird feierlich das Geheimnis um ein gemeinschaftliches Album des »King of Rap« mit dem Berliner Urgestein Sido gelüftet. Es erscheint einige Monate später, überzeugt Kritiker wie Fans gleichermaßen und geht im Sommer dieses Jahres Gold. Auf ihre alten Tage werden die beiden Berliner Veteranen gute Freunde und spielen, kaum mehr voneinander zu trennen, eine rekordverdächtige Tour. Danach zieht sich SAV für einige Zeit ins Studio zurück. Sein nunmehr fünftes eigenverantwortliches Album entsteht.

Als es fertig ist, weiß er, dass es keiner großen Worte bedarf, um seinen Fans das baldige Erscheinen dieses Mammutprojekts anzukündigen. Über Nacht postet er ein Foto, auf dem nichts weiter als drei weiße Buchstaben auf schwarzem Untergrund zu sehen sind: »KKS«. Jeder, der sich im Laufe der letzten zwanzig Jahre auch nur flüchtig mit Hip Hop in Deutschland beschäftigt hat, weiß sofort, wofür diese Abkürzung steht. Und auch die Bildunterschrift spricht eine unmissverständliche Sprache: »Soloalbum«.

»KKS« wird im Januar 2019 das Licht der Welt erblicken. Das Album ist, ganz nach Essahs Geschmack, konsequent auf Lyrics geeicht und beweist eindrucksvoll, dass seine Einstellung zum Musikmachen dieselbe ist, wie schon 1998. Dabei ist es ihm durch eine penible Beat-Auswahl gelungen, seine Stärke für genial-verkopfte Reimketten an eine zeitgerechte Soundästhetik zu koppeln.